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Bildbewertung      Monatsbilder - Quartalsbilder - Jahresbilder

  

 

 

   Wann ist ein Bild gut?

Wir alle möchten gute Bilder machen. Wann aber ist ein Bild gut? Ja klar, wenn es uns gefällt. – Es gefällt uns so lange, bis wir eine Aufnahme vom gleichen Motiv sehen, die besser ist.

Offenbar genügt das subjektive Gefallen nicht. Kommt hinzu, dass wir uns steigern wollen. Also sind wir neugierig: Welche Merkmale haben zur Folge, dass ein Bild eine grosse Wirkung erzielt? Gibt es eine Art Werkzeug, das wir in dieser Hinsicht benützen können?

Martin Zurmühle hat sich in seinem sehr lesenswerten Buch "Bildanalyse" diese Frage zum Thema gemacht. Unser Fotoclub hat seine Analysenmethode zur Grundlage der Bildbewertung bestimmt.

Zurmühle nennt sie das 4-Augen-Modell, weil Fotografien auf vier verschiedenen Wegen auf den Betrachter einwirken:

Das Form-Auge bietet einen visuellen Genuss,

Das Erzähl-Auge berichtet aus dem Leben,

Das Gefühls-Auge vermittelt Gefühle,

Das Ich-Auge sagt etwas über die Persönlichkeit des Fotografen aus.

Auf der Formebene geht es um die Vermittlung des Bildinhalts mit klaren grafischen Formen und Elementen wie Punkte, Linien, Kurven, Flächen, Muster, Farben. Sie sind die "Sprache" der Fotografie. Diese Elemente verlangen nach einer Gestaltung (Komposition).

Auf der Erzählebene spricht das Bild mit der Darstellung eines Ereignisses, Zustandes usw. zu uns. Wir erfahren etwas über die - kleine oder grosse - Welt.

Das Bild sollte auch eine Gefühlsebene haben. Was nützt es, wenn ich ein Bild sehe, es aber nicht "spüre"? Mit einer guten Bildsprache spricht das Bild noch andere Seiten an als nur den Sehsinn. Es kann Erinnerungen an starke Momente in unserem Leben hervorrufen.

Ein gutes Bild kann aber auch Einiges über den Fotografen erzählen. Wir sind auf der Ich-Ebene. Zum Beispiel lässt eine Serie guter Naturaufnahmen stark darauf schliessen, dass der Fotograf eine naturverbundene Person ist.

In unserem Fotoclub bewerten wir die Monats-, Quartals- und
Jahresbilder nach den drei ersten Merkmalen des Modells. Das Ich-Auge haben wir mit dem Merkmal Thema-Umsetzung ersetzt, da das Ich-Auge meist erst beim Überblick über ein mehrteiliges Werk sichtbar wird.

Der engagierte Fotograf wird das 4-Augen-Modell natürlich schon in die Planung seiner Arbeiten einbeziehen. Je erfahrener er wird, desto mehr hat er diese Aspekte "intus", wird sie also zunehmend nicht mehr nur über die Gedanken, sondern auch über sein Bauchgefühl in das Bild einfliessen lassen.

 

Heinz Hinder

Rapperswil-Jona, 26. Februar 2012